IT-Personalvermittlung

Wenn die Position keine Entwicklerstelle ist, sondern eine Führungsrolle — was wir anders machen

· 8 Minuten Lesezeit · Autorin: Erdélyi Zoé

Eine Senior-Entwickler- oder Führungsposition zu besetzen ist eine grundlegend andere Aufgabe als eine Junior- oder Mid-Level-Rolle zu füllen. Viele Unternehmen merken das erst, wenn sie es mit dem eigenen HR-Prozess versuchen und die Stelle Monate später immer noch offen ist. Am Markt gibt es deutlich weniger relevante Kandidatinnen und Kandidaten, die Entscheidung wiegt schwerer, denn eine falsche Führungsbesetzung wirkt sich monatelang, manchmal jahrelang auf ein Team aus, und der Prozess selbst braucht mehr Diskretion, weil die meisten Senior-Kandidatinnen und -Kandidaten gerade in einer aktiven, verantwortungsvollen Position sind und nicht wollen, dass ihr aktueller Arbeitgeber von ihrer Wechselbereitschaft erfährt.

Welches Risiko birgt eine falsche Führungsentscheidung?

Eine schlechte Junior-Einstellung ist meist eine Frage der individuellen Leistung, lösbar, korrigierbar, relativ schnell. Eine schlechte Führungsentscheidung wirkt dagegen ins ganze Team hinein: schlechte Entscheidungen, ein unpassender Führungsstil oder einfach eine Führungskraft, die nicht zum Team passt, können die Stimmung und die Leistung eines Teams über Monate oder Jahre belasten, bevor das Problem überhaupt sichtbar und angehbar wird. Dazu kommt, dass eine Führungsposition erneut zu besetzen deutlich länger dauert und teurer ist als bei einer Junior-Stelle. Genau das spricht dafür, schon bei der ersten Entscheidung in einen gründlicheren, tieferen Auswahlprozess zu investieren.

Warum funktioniert nicht derselbe Prozess wie bei einer Junior-Position?

Bei einer Junior- oder Mid-Level-Stelle ist die Auswahl am Markt relativ breit, und die Prüfung konzentriert sich stark auf technische Kompetenzen und grundlegende Soft Skills. Bei einer Führungs- oder Senior-Expertenposition ist die technische Kompetenz oft nur die Eintrittsschwelle. Entscheidend sind strategisches Denken, Erfahrung in der Teamführung, die Wirkung früherer Entscheidungen und wie gut die Person zur langfristigen Richtung des Unternehmens passt.

Das bedeutet, dass die Prüfung bei einer Senior-Suche auch tiefer gehen muss: Ein kurzes technisches Interview reicht nicht, es braucht gründlichere Gespräche aus mehreren Blickwinkeln, die Entscheidungsmuster, Führungsstil und frühere Ergebnisse der Kandidatin oder des Kandidaten sichtbar machen.

Auch bei einer Senior-Entwicklerposition, selbst ohne klassische Führungsrolle, zählt architektonisches Denken und der Blick für langfristige Konsequenzen. Die Entscheidungen einer Senior-Entwicklerin oder eines Senior-Entwicklers bestimmen oft über Jahre, wie wartbar ein System bleibt. Deshalb muss die Prüfung auch zeigen, wie jemand über technische Schulden, Skalierbarkeit und die Balance zwischen schnellen Lösungen und langfristig tragfähiger Architektur denkt.

Die zentrale Rolle der Diskretion

Bei der Suche nach einer Senior-Besetzung ist Diskretion kein optionales Extra, sondern eine Grundvoraussetzung. Die meisten relevanten Kandidatinnen und Kandidaten sind aktuell in einer aktiven, oft leitenden Position, und es wäre ein echtes Risiko für sie, wenn ihr jetziger Arbeitgeber erführe, dass sie einen Wechsel erwägen, bevor sie selbst entschieden haben, weiterzugehen.

Deshalb beginnt eine solche Suche immer mit einer anonymen, vorsichtigen Ansprache, bei der die Kandidatin oder der Kandidat erst dann Details zur Position und zum auftraggebenden Unternehmen erhält, wenn echtes Interesse besteht. Dieser vertrauensbasierte, diskrete Ansatz ist einer der wichtigsten Unterschiede zwischen einer Senior- und einer Junior-Suche.

Diskretion schützt nicht nur die Kandidatin oder den Kandidaten, sondern auch die Interessen des auftraggebenden Unternehmens. Schon die Tatsache, dass eine Führungsposition besetzt wird, kann eine sensible Information sein, etwa weil der Abgang der aktuellen Führungskraft noch nicht öffentlich ist, oder weil sie etwas über die strategischen Pläne des Unternehmens verrät, sobald bekannt wird, welches Profil gesucht wird. Ein diskreter Prozess schützt beide Seiten gleichzeitig.

Wie sieht der tiefere Auswahlprozess aus?

Der Prozess beginnt bei jeder Kandidatin und jedem Kandidaten mit einem gründlichen, typischerweise 45-minütigen strukturierten Interview, bevor überhaupt Unterlagen an das auftraggebende Unternehmen gehen. Dieses Interview konzentriert sich nicht nur auf den technischen Hintergrund, sondern auch auf Motivation, Entscheidungsmuster, Führungserfahrung und darauf, wie realistisch jemand die eigenen Stärken und Entwicklungsfelder einschätzt.

Diese Fähigkeit zur Selbstreflexion, wie präzise und ehrlich jemand die eigenen Stärken und Grenzen bewerten kann, ist oft ein besserer Indikator für langfristigen Erfolg als jeder technische Test. Eine Führungskraft, die sich ihrer blinden Flecken bewusst ist, arbeitet mit ihrem Team deutlich wirksamer zusammen und entwickelt sich in der Rolle besser weiter als jemand, der auf jede Situation eine fertige Antwort hat, aber keine echte Selbsterkenntnis zeigt.

Dazu gehört auch ein sogenannter Name-Check: Wir prüfen, ob die Kandidatin oder der Kandidat nicht bereits in der eigenen Datenbank des auftraggebenden Unternehmens steht. Das vermeidet Doppelungen und schafft für beide Seiten Klarheit über den Prozess.

Der Name-Check verhindert außerdem die unangenehme Situation, dass eine Person über zwei verschiedene Kanäle gleichzeitig angesprochen wird, einmal vom eigenen HR-Team des Unternehmens, einmal im Rahmen unserer Suche. Das ist nicht nur für die Kandidatin oder den Kandidaten verwirrend, es schadet auch der Professionalität des gesamten Prozesses, weshalb wir dieses Risiko schon am Anfang der Suche ausschließen.

Was passiert, wenn die eingestellte Person sich doch nicht bewährt?

Bei einer Führungsposition ist das Risiko einer Fehlentscheidung höher, deshalb braucht es ein Sicherheitsnetz. Verlässt die eingestellte Person das Unternehmen innerhalb weniger Monate nach Start, führen wir unter bestimmten Bedingungen eine weitere, kostenlose Suche durch, damit das Risiko nicht vollständig beim auftraggebenden Unternehmen liegt. Diese Garantie ist keine reine Formalität. In der Praxis wird sie selten in Anspruch genommen, aber allein ihre Existenz zeigt, wie ernst wir die langfristige Passung im Prozess nehmen.

Warum ist eine präzise Definition der Führungsposition zu Beginn der Suche wichtig?

Bei einer Senior- oder Führungsposition ist die Rolle oft weniger standardisiert als bei einer Junior-Entwicklerstelle. Zwei ähnlich betitelte Führungsrollen in zwei unterschiedlichen Unternehmen können völlig andere Verantwortungsbereiche, Entscheidungsbefugnisse und erwartete Ergebnisse bedeuten. Deshalb ist es zu Beginn des Prozesses besonders wichtig, dass das auftraggebende Unternehmen genau formuliert, welche Entscheidungen die künftige Führungskraft treffen muss, welches Team sie leiten wird und welches Ergebnis im ersten halben Jahr oder Jahr erwartet wird.

Diese präzise Formulierung erhöht nicht nur die Effizienz der Suche, sie sorgt auch dafür, dass die vorgestellten Kandidatinnen und Kandidaten tatsächlich relevante, gut passende Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger sind und nicht nur Fachleute mit dem richtigen Titel auf dem Papier.

Wie lässt sich die Führungseignung im Interview einschätzen?

Technische Kompetenz zu prüfen ist eine vergleichsweise klare Aufgabe, Führungseignung einzuschätzen ist deutlich vielschichtiger. Im Interview gehen wir konkrete Situationen durch, in denen die Kandidatin oder der Kandidat früher eine schwierige Entscheidung treffen, ein Team umbauen oder einen Konflikt lösen musste, nicht mit theoretischen Fragen, sondern anhand realer Erfahrungen. Das hilft zu verstehen, wie jemand unter Druck denkt, wie er oder sie mit dem Team kommuniziert und wie konsistent der eigene Entscheidungsstil ist.

Häufig gestellte Fragen

Wie lange dauert die Besetzung einer Senior-Position?

Das dauert in der Regel länger als bei einer Junior-Position, weil die Auswahl am Markt kleiner und der Prüfprozess gründlicher ist. Die genaue Dauer hängt von der Spezifität der Position ab.

Wie wird sichergestellt, dass unser aktueller Arbeitgeber nichts von der Suche erfährt?

Der gesamte Prozess läuft diskret ab. Die Marktansprache erfolgt anonym, und die Identität des auftraggebenden Unternehmens wird erst offengelegt, wenn die Kandidatin oder der Kandidat ernsthaftes Interesse geäußert hat.

Was, wenn unser Unternehmen selbst schon einige Kandidatinnen oder Kandidaten kontaktiert hat?

Genau dafür dient der Name-Check. Wir klären, ob die vorgestellten Kandidatinnen und Kandidaten wirklich neue, relevante Optionen sind, und vermeiden Doppelungen mit den eigenen Bemühungen des Unternehmens.

Wie stark muss die endgültige Entscheidungsträgerin oder der endgültige Entscheidungsträger in der frühen Phase des Prozesses eingebunden sein?

Je früher und je präziser die Entscheidungsträgerin oder der Entscheidungsträger formuliert, was von der Rolle erwartet wird, desto relevantere Kandidatinnen und Kandidaten können wir vorstellen. Deshalb lohnt es sich, dass am Intake-Gespräch die tatsächliche Entscheidungsperson teilnimmt und nicht nur ein delegierter HR-Kontakt.

Wie geht ihr damit um, wenn eine Kandidatin oder ein Kandidat mehrere Optionen gleichzeitig abwägt?

Das ist auf Senior-Ebene eine häufige Situation. Hier zählen die Geschwindigkeit des Prozesses und die Qualität der Kommunikation besonders, denn ein langsam reagierendes Unternehmen verliert eine Kandidatin oder einen Kandidaten leicht an einen schneller entscheidenden Mitbewerber.

Wie flexibel seid ihr, wenn sich die Erwartungen an die Position im Laufe des Prozesses ändern?

Das gehört zu einer gründlichen Suche dazu. Während die Marktsondierung läuft, wird oft klarer, was tatsächlich gebraucht wird, und ein guter Prozess kann solche Anpassungen flexibel aufnehmen.

Wie stark sind die aktuellen Teammitglieder an der endgültigen Entscheidung beteiligt?

Das ist von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich, aber oft empfehlenswert: dass die direkten Kolleginnen und Kollegen der künftigen Führungskraft die final ausgewählte Person noch vor der Entscheidung kennenlernen. Das hilft nicht nur, die Passung ins Team einzuschätzen, sondern legt auch den Grundstein für Akzeptanz und einen reibungslosen Einstieg.

Wie lange gilt die Diskretion nach der Einstellung?

Die Diskretion gilt bis zum Abschluss des Prozesses beziehungsweise bis zur eigenen Entscheidung der Kandidatin oder des Kandidaten. Danach entscheiden das auftraggebende Unternehmen und die Person gemeinsam, wie und wann der Wechsel gegenüber dem breiteren Markt kommuniziert wird.

Fazit

Eine Führungs- oder Senior-Position zu besetzen ist nicht einfach eine "größere" Version einer Junior-Suche. Sie braucht eine andere Prüftiefe, ein anderes Diskretionsniveau und einen anderen Marktansatz. Wenn bei euch gerade eine solche Position ansteht, lohnt sich ein ehrliches Gespräch darüber, was bei dieser Entscheidung wirklich zählt.

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