Recruitment

Warum es heute schwer ist, IT-Fachkräfte zu finden — und was du dagegen tun kannst

· 15 min Lesezeit · Autorin: Erdélyi Zoé

Die meisten Geschäftsführer und HR-Verantwortlichen kennen das Gefühl: Man schreibt eine Stelle aus, ein paar Dutzend Lebensläufe kommen rein — und trotzdem findet man nicht die eine Person, die wirklich gut in die Rolle passen würde. Oder genau das Gegenteil: wochenlang, monatelang kein einziger relevanter Bewerber, während das Team die fehlende Kapazität irgendwie auffangen muss.

Das ist kein Einzelphänomen, und es ist auch nicht die Schuld des Unternehmens. Der IT-Arbeitsmarkt hat sich in den letzten Jahren grundlegend verändert, und die alten Methoden — eine Stellenanzeige schalten, dann warten — bringen immer seltener das gewünschte Ergebnis.

Warum ist es heute schwerer als früher, gute IT-Fachkräfte zu finden?

Dafür gibt es mehrere sich gegenseitig verstärkende Gründe. Der Großteil guter IT-Fachkräfte ist heute nicht aktiv auf Jobsuche — sie sind passiv am Markt, haben eine gute Position, sind mit ihrer Situation zufrieden und bewegen sich nur dann, wenn die Kontaktaufnahme relevant, gezielt und zum richtigen Zeitpunkt erfolgt. Eine allgemeine Stellenanzeige erreicht sie selten, weil sie keine Jobportale durchsuchen.

Dazu kommt, dass die technischen Anforderungen immer spezifischer werden. Ein bestimmtes Framework, Erfahrung in einer konkreten Domain, Kenntnisse einer speziellen Architektur — das sind Engpässe, bei denen die Zahl der Kandidaten von vornherein begrenzt ist. Ein allgemeiner HR-Prozess, der für jede Position dieselbe Schablone anwendet, kann nicht immer zuverlässig beurteilen, ob ein Kandidat wirklich über diese tiefergehenden Kompetenzen verfügt.

Schließlich ist der Wettbewerb real: Nicht nur euer Unternehmen sucht nach diesem Profil. Die besten Kandidaten wägen oft mehrere Möglichkeiten gleichzeitig ab — und das Unternehmen gewinnt, das schnell, professionell und persönlich kommuniziert, nicht das, das als erstes den längsten Fragebogen verschickt.

Quantität löst das Problem nicht

Viele Recruiting-Agenturen setzen auf Masse: Je mehr Lebensläufe sie verschicken, desto aktiver und nützlicher wirken sie. Dieser Ansatz frisst jedoch die Zeit der Entscheidungsträger auf — zehn bis zwanzig irrelevante Profile durchzugehen, um ein oder zwei zu finden, die wirklich in Frage kommen, kostet eine Führungskraft leicht einen ganzen Arbeitstag.

Wir glauben stattdessen an eine starke Vorauswahl. Bevor ein Lebenslauf zu euch gelangt, hat der Kandidat bereits ein strukturiertes Interview durchlaufen, in dem wir nicht nur die fachlichen Kompetenzen, sondern auch Motivation, Verfügbarkeit und kulturellen Fit geprüft haben. Das Ziel ist nicht, viele Kandidaten zu zeigen, sondern dass die, die wir zeigen, tatsächlich geeignet und offen für die Position sind.

Wie sieht der Prozess in der Praxis aus?

Ein gut aufgebauter Recruiting-Prozess besteht aus fünf Schritten.

Der erste ist das Intake-Gespräch: ein strukturierter Call mit dem Entscheidungsträger, in dem wir die fachlichen und Soft-Skill-Anforderungen, das Teamumfeld, das Gehaltsband, die Interview-Runden und den Entscheidungsprozess genau klären. Das wird schriftlich dokumentiert und bestätigt, damit beide Seiten die Position gleich verstehen.

Der zweite Schritt ist der Aufbau eines gezielten Kandidatenpools — in der Regel innerhalb von 1–2 Werktagen —, bei dem wir nicht auf eine allgemeine Anzeige warten, sondern aktiv relevante Profile suchen, auch passive Kandidaten.

Der dritte Schritt ist Screening und strukturiertes Interview: Die ausgewählten Kandidaten durchlaufen ein gründliches Gespräch, in dem Must-have- und Nice-to-have-Kriterien, Motivation, Verfügbarkeit und Stabilität auf den Tisch kommen. Über jeden Kandidaten wird eine detaillierte Zusammenfassung erstellt.

Der vierte Schritt ist die Präsentation: Wir stellen mindestens drei relevante, vorausgewählte Kandidaten pro Position vor, mit vollständiger Dokumentation, und informieren proaktiv — ohne Nachfrage — über den Status des Prozesses.

Der fünfte Schritt ist Einstellung und Nachbetreuung: Koordination des Angebotsprozesses, Dokumentation der Einstellung und empfohlene Check-in-Punkte am ersten Arbeitstag, in der Mitte und am Ende der Probezeit — damit die Integration reibungslos verläuft, nicht nur die Vertragsunterzeichnung.

Warum löst ein größeres internes HR-Team nicht alles?

Wenn das Recruiting langsam läuft, entsteht in vielen Unternehmen der Gedanke, es fehle einfach an internen Kapazitäten — eine weitere HR-Kollegin, die sich Vollzeit um offene Stellen kümmert. Das kann kurzfristig helfen, hat aber eine grundlegende Einschränkung: IT-Recruiting ist ein Spezialgebiet, bei dem Marktkenntnisse, das Verständnis technischer Konzepte und die Fähigkeit, passive Kandidaten zu erreichen, sich über Jahre aufbauen.

Eine Generalistin im HR, so engagiert sie auch ist, kann nicht unbedingt den echten Senioritätslevel zweier Kandidaten mit ähnlichem technischem Hintergrund unterscheiden — oder hat möglicherweise keinen Zugang zu den Kanälen und passiven Kandidatendatenbanken, mit denen ein spezialisierter IT-Recruiter arbeitet. Mehr Köpfe lösen das zugrunde liegende Problem also nicht — sie verteilen die Schwierigkeit nur auf mehr Menschen.

Ein externer, spezialisierter Partner gibt dagegen sofort Zugang zu einem aufgebauten Marktnetzwerk, einem bewährten Prozess und Erfahrung, die man intern nur über lange Zeit aufbauen könnte.

Warum lohnt es sich, technologiegestützt zu denken?

Ein erheblicher Teil der Recruiting-Arbeit — der Aufbau des Kandidatenpools, die Analyse von Stellenbeschreibungen, die Formulierung der Suchstrategie aus dem Intake, das Verfassen von Kandidatenzusammenfassungen — lässt sich heute gut mit künstlicher Intelligenz unterstützen. Das bedeutet nicht, dass persönliche Interviews oder die Entscheidungsbeziehung automatisiert werden, sondern dass der Prozess schneller und präziser wird, während die qualitative Selektion in menschlichen Händen bleibt. Viele Recruiting-Agenturen arbeiten noch ausschließlich mit manuellen Prozessen — hier kann Geschwindigkeit und Präzision ein echter Wettbewerbsvorteil sein.

Was kostet eine lange unbesetzte IT-Stelle wirklich?

Wenn eine IT-Stelle monatelang offen bleibt, lässt sich der Schaden nicht nur daran messen, dass kein Gehalt ausgezahlt wird. Die restlichen Teammitglieder übernehmen die fehlende Kapazität, Projekte kommen langsamer voran, Deadlines rutschen, und die Überlastung bestehender Mitarbeiter kann langfristig zu Fluktuation führen. Rechnet man noch die Kosten einer falsch passenden Einstellung hinzu — Einarbeitung und dann erneute Suche, wenn die Person nach einigen Monaten das Unternehmen verlässt —, ist der wahre Kostenpunkt deutlich höher als zunächst gedacht.

Das ist einer der Gründe, warum ein gründlicher, auf Vorauswahl basierender Prozess, auch wenn er zunächst langsamer wirkt als ein schnelles CV-Versenden, tatsächlich Zeit und Geld spart — weil man dieselbe Suche nicht zwei- oder dreimal durchführen muss.

Häufig gestellte Fragen

Wenn die Vorauswahl so streng ist — werden dann nicht zu wenige Kandidaten präsentiert?

Das Ziel ist nicht, die Anzahl der Kandidaten zu minimieren, sondern deren Relevanz zu maximieren. Wir präsentieren in der Regel mindestens drei relevante, vorausgewählte Kandidaten pro Position — aber jeder davon ist tatsächlich gesprächswürdig.

Was, wenn wir ein sehr nischiges, seltenes Profil suchen?

Genau in diesen Fällen ist der Unterschied zwischen einer allgemeinen Anzeige und einer gezielten, aktiven Suche am größten — seltene Profile bewerben sich fast nie auf eine Stellenanzeige, sie müssen gefunden und angesprochen werden.

Wie schnell sehen wir erste Kandidaten?

Das hängt von der Position ab, aber der Aufbau eines gezielten Kandidatenpools beginnt in der Regel innerhalb weniger Werktage — in den Tagen nach dem Intake-Gespräch wird bereits sichtbar, welche Marktauswahl verfügbar ist.

Was, wenn eine frühere Suche unsere eigene Datenbank bereits durchforstet hat, ohne Ergebnis?

Das ist ein häufiger Ausgangspunkt. Die eigene Datenbank ist endlich und enthält oft nur Kandidaten, die sich früher selbst beworben haben. Eine gezielte, aktive Suche — bei der wir nicht auf Bewerbungen warten, sondern relevante, auch völlig passive Fachkräfte aktiv ansprechen — kann zu ganz anderen Ergebnissen führen als ein erneutes Durchsuchen der vorhandenen Datenbank.

Die Candidate Experience zählt

Es gibt einen Aspekt, über den seltener gesprochen wird, der aber mindestens genauso wichtig ist wie die Schnelligkeit des Prozesses: die Candidate Experience. Eine gute Fachkraft, die gerade über einen Wechsel nachdenkt, bewertet nicht nur die Stelle, sondern auch, wie das Unternehmen im Prozess mit ihr umgeht. Ein langsamer, kommunikationsarmer oder respektloser Prozess — ausgebliebene Rückmeldungen, wochenlange Stille, unklare Erwartungen — schadet dem Ruf des Unternehmens, auch wenn am Ende nicht dieser Kandidat eingestellt wird.

Das ist besonders wichtig in einem engen Fachkräftemarkt, wo sich der Ruf schnell verbreitet. Ein strukturierter, respektvoller Prozess mit schnellen Rückmeldungen stärkt nicht nur die Chancen, die aktuelle Stelle zu besetzen, sondern langfristig auch die Employer Brand — auch bei Kandidaten, die am Ende nicht eingestellt werden.

Worauf sollte man bei der Wahl eines Recruiting-Partners achten?

Wenn ihr entscheidet, externe Unterstützung einzuholen, lohnt es sich, einige Dinge vorab zu klären. Kennt der Partner das betreffende Technologiefeld wirklich, oder rekrutiert er allgemein für IT-Positionen? Wie sieht sein Vorauswahlprozess aus — schickt er alles, was reinkommt, oder filtert er Kandidaten wirklich, bevor er sie präsentiert? Wie ist seine Kommunikation während des Prozesses — bekomme ich regelmäßige, proaktive Rückmeldungen, oder muss ich selbst nachfragen, wie weit die Suche ist? Und gibt es eine Garantie für den Fall, dass sich die eingestellte Person in den ersten Monaten als nicht passend erweist?

Diese Fragen helfen, einen wirklich spezialisierten, qualitätsorientierten Partner von einer auf Masse ausgerichteten Allround-Agentur zu unterscheiden — und langfristig entscheidet genau dieser Unterschied, ob die Partnerschaft das Team wirklich entlastet oder nur eine weitere Filteraufgabe zum bereits übervollen Alltag hinzufügt.

Zusammenfassung

Wenn eine Stelle seit Monaten offen ist, wenn der Großteil der eingehenden Lebensläufe irrelevant ist oder wenn schlicht keine Kapazität für eine gründliche, gezielte Suche vorhanden ist — dann macht es Sinn, einen spezialisierten Partner einzubeziehen, der den Markt kennt und nicht in Menge, sondern in Treffergenauigkeit denkt.

Wenn ihr besprechen möchtet, welche Stelle bei euch gerade Kopfzerbrechen bereitet, denken wir gerne gemeinsam durch, was der beste Ansatz wäre.

Kostenloses Erstgespräch — Termin vereinbaren

Matritel Blog

Ähnliche Beiträge direkt in dein Postfach

IT-Recruiting und Softwareentwicklung — praxisnahes Wissen, kein Lehrbuch. Einmal im Monat, ohne Werbung.

Jederzeit abmeldbar. Deine Daten werden nicht an Dritte weitergegeben.

Matritel

Fragen? Sprich unser Team an.

18 Jahre Erfahrung in IT-Recruiting und Softwareentwicklung — DACH und CEE Region.

Kontakt aufnehmen